Leonie wo bist du?

Zusammenfassung: Wer hat Sie gehsehn

Zusammenfassung:

 


Geändert: 19.03.2020
Melanie Petrick gibt nicht auf. Will nicht aufgeben. Kann nicht aufgeben. Auch wenn die Hoffnung, ein Lebenszeichen von Leonie zu bekommen, bei ihr
geschwunden ist. Am Montag jährt sich der Tag zum dritten Mal, an dem sich die damals 15-jährige Leonie Gritzka an der Alleestraße mit einer
Freundin traf und in ein Auto mit Kölner Kennzeichen stieg. In dem sollen zwei ältere Männer gesessen haben. Die 15-Jährige hatte immer wieder
Kontakt zu älteren Männern gesucht. Seit diesem Tag fehlt jede Spur von ihr.
„Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Leonie etwas zugestoßen ist“, sagt Petrick. Sie möchte gerne die Wahrheit wissen. 500 Flugblätter hat sie gedruckt.
Mit Fotos und einem Zeugenaufruf. Sie werden nicht nur in Remscheid verteilt. Einige hat sie auch Freunden mitgegeben, die nach Hamburg gefahren
sind. Die Mutter von Leonie, Melanie Petricks Schwester, befindet sich in einer psychisch nicht stabilen Verfassung, so dass sie sich um die Suche
nach ihrer Tochter kaum selber kümmer kann. Die Schwester will nichts unversucht lassen.

 

 

 

Spuren führten nach Köln und Frankfurt
Eine erste Spur führte damals nach Frankfurt, auch auf einen Aufenthaltsort in Köln gab es Hinweise. Die Fahndungsmaßnahmen verliefen aber bisher
erfolglos. Offenbar hatte das Mädchen einen Freund, der doppelt so alt wie sie war. Eine Freundin berichtete, dass dieser Freund Leonie in der
Remscheider Innenstadt mit einem Auto abgeholt hatte. Ein zweiter Mann soll im Wagen gesessen haben.

 


Unversucht lässt auch die Polizei nichts. Aber etwas bemerkenswertes Neues kann sie nicht vermelden. „Wir verfolgen weiter jeden Hinweis“, sagt
Stefan Weiand, Pressesprecher der Polizei. Einmal in der Woche telefoniert Petrick mit dem zuständigen Sachbearbeiter. Wenn irgendwo ein Bild von
einer Leonie im Internet auftaucht, tauschen sie sich aus, ob sie es sein könnte oder nicht. Leonie Gritzka hatte viele Gesichter. Sie mochte es, sich zu
schminken und zu verändern.

 


Die Ausstrahlung des Falls in der Sendung „Aktenzeichen XY.. ungelöst“ im vorigen Jahr sorgte für mediale Aufmerksamkeit. Insgesamt kam man auf
15 neue Spuren, von denen die Ermittler hofften, dass eine von ihnen zu Leonie führt. Fehlanzeige.


„Die Akte ist aber nicht geschlossen“, sagt Weiand.
Leonie hat nichts mitgenommen. Keine Kleidungsstücke, keine Schminke, keine Papiere. Es könne sein, dass das Mädchen am 22. Juli 2016 freiwillig
weggegangen ist. Ihre Beweggründe sind ein Rätsel. Für die Polizei wie für die Familie. Die Polizei kann nicht ausschließen, dass Leonie in der
Prostitution gelandet sein könnte und einem Loverboy aufgesessen ist. In ihrer Kindheit lebte sie in Heimen und bei Pflegefamilien. Immer wieder lief
sie weg, immer wieder kehrte sie zurück. Bis auf einmal.

 


Leonies Mutter hat in der TV-Sendung einen Brief veröffentlicht, in dem sie das Mädchen bittet, ein Lebenszeichen von sich zu geben. „Es vergeht kein
Tag, wo ich nicht an Dich denke und mich frage, wo Du bist“, schreibt sie. „Ich möchte Dir sagen, wie sehr ich Dich liebe und dass alles wieder gut
wird, egal was passiert ist.“ Melanie Petrick erzählt von einer Mutter aus Essen, die seit 20 Jahren ihre Tochter sucht. Schon ihre drei Jahre sind eine
Ewigkeit voller Schmerz. Die Suche aufzugeben, das sei aber keine Alternative.


Mike Sieckendieck

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